Schlechtes UI kann einem echt den Tag verderben

VW Passat wird „eingeschleppt”

Auch wenn es die meisten heutzutage wissen, UI heisst „User Interface” und das ist alles was der/die Nutzer(in) sieht, wenn er/sie versucht, sich auf Bildschirmen, Konsolen und knopfbestückten Oberflächen (z.B. Autos, Bankautomaten, Kaffeeautomaten und Fahrstühlen)  zurecht zu finden. Jetzt schlagen mich wieder die UX Designer. Wegen der bestimmt falschen Erklärung da.
Wenn man sich denn nur auch immer zurecht finden würde. Meist ja nicht so einfach. Kennt wohl jeder.

Heute hat’s mich so richtig erwischt. Das schlechte UI. Diesmal von den Leuten aus der Wolfsburger Autostadt. Wobei ich gar nicht so recht weiss, ob das auch wirklich dort gebaut wird. So viele Zulieferer und Produktionsstandorte.

Naja, ich hatte heute morgen einen wichtigen Termin bei einem großen deutschen Verlagshaus in Hamburg. Ich war etwas spät dran, weil sich meine Daten für den Termin in meinem Datenchaos nicht finden liessen (andere Story). Reichlich genervt komme ich zu meinem Auto, steige ein und stecke den Schlüssel in das Schloss (wobei, wie ein Schlüssel sieht der Schlüssel ja auch schon lange nicht mehr aus, neulich haben die Sicherheitsleute am Flughafen das Ding für eine Inhalationsspray gehalten und ich musste deswegen meine Tasche durchsuchen. Vorher sollte ich denn wissen, das die den, äh, Schlüssel meinen…). Wo war ich? Ach ja, Also, die gesamten, Millionen von Symbolen auf diesem Bildschirm leuchten nach der Schlüsselzuführung auf, ich trete auf die Bremse (Automatikauto…) und will starten… nix! Blinken und Klackern.

Der erfahrene Autobesitzer kennt das Klackern. Batterie leer. Ich denke so gerade, dass ich dann mal besser bei dem deutschen Automobilclub anrufe, der ein Verein ist, mich aber noch nie zu Mitgliederversammlungen eingeladen hat. Da erscheint auf dem kleinen Bildschirm hinter dem Lenkrad, den man – glaube ich – Konsole nennt … egal auch… ein Hinweis: „Motorschaden. Werkstatt.” So ähnlich. Zumindest etwas mit Motor, Schaden und Werkstatt.

Oh, welch Schreck! Das Auto hat nie gemuckt. Aber nun!? Kaputt!? Ohje.

Ich also bei der Leasing Gesellschaft angerufen, die haben mich, nach Aufnahme aller meiner Daten dann an die Notfall Zentrale von VW weiter geleitet. Alle sehr nett. Nochmal Daten aufgeben. Alle. Klar. Dann hat die Notfallzentrale bei meinem VW Händler um’s Eck angerufen. Puh, der Mitarbeiter dort hatte dann zumindest schon die Daten. Kennen das Auto eh. Er hat dann gefragt, ob er meine Nummer weiter geben darf, damit ein Partnerunternehmen den Wagen „einschleppen” kann (abschleppen ist wohl unmodern. Hauptsache jede Branche hat ihren Fachjargon*). Dann rief mich der Einschlepper an, um mir zu sagen, wann ungefähr der Mitarbeiter mit dem echten Einschlepp-Fahrzeug kommt. Bis dato 40 Minuten am Telefon. Alles sehr nett.

Dann kam der Schlepper. Etwaaas später.

Er gleich so: „Batterie leer!“

Ich so: „Waaas? Echt? Dann können wir ja das mit der Starthilfe machen und ich fahr weiter!”

Er:„Mmh, nee, ehrlich, dann müssen Sie meinen Einsatz selber zahlen.”

„Wie bitte?, das Ding hat doch gesagt  ‚bring mich schnell in die Werkstatt‘!”

„Jaa, mmh, schooon, aber Sie wären dann ja wieder mobil und damit gilt die Mobilitätsgarantie nicht mehr und VW zahlt nicht. Haben Sie denn irgend einen Verbraucher an gelassen?” (noch so eine komische Formulierung)

„Nicht dass ich wüsste. Das geht ja eigentlich alles automatisch aus und stromfressende Extras habe ich nicht…”

Nun, nach etwas hin und her, dann den Wagen durch die Gegend gerollt**, einen Stau auf der Weidenallee ausgelöst und ab zu VW.

Die checken jetzt mal die Verbraucher und ich habe einen mickrigen Golf als Ersatzwagen. Aber immerhin bin ich mobil.

Und gelernt habe ich noch folgendes: auf keinen Fall den Wagen starten, auch wenn das gehen würde, denn dann wird der Fehlerspeicher gelöscht und damit auch die Mobilitätsgarantie.

Und das alles, weil das UI nur einen Motorschaden anzeigen kann, wenn die Batterie alle ist.

Eine Farce. Und eine unglaubliche Zeitverschwendung.

* Da oben war ja noch ein Asterix (*) bei „Fachjargon”. Denn dazu fiel mir vorhin ein, dass ich eine ganz nette Marketing Kollegin habe, die Katja, und die hat Chinesisch studiert. Und ein Teil (oder war es der ganze Studiengang) hiess  „Fachchinesisch”.  Das finde ich einfach toll, denn da ist dann echt mal drin, was drauf steht.
** und wer sich fragt, wie man einen echt schweren Automatik Wagen ohne Strom rollen lassen kann… tja. Das Leben ist ein Rätsel.

In diesem Sinne: ich such mal den „Ausschalten” Knopf auf dem Rechner. Schönen Feiertag.